Musik für Bankangestellte

(music for bank employees) 1998

CD, 5 Tracks, 59min. Published by multi.trudi 1999 -

Cover CD Musik für Bankangestellte - multi.trudi Frankfurt 1998 Cover Music for Bankemployees

Audio

Track 2

Track 4

Track 5

Description

Electronic live noise music. Generally produced with two turntables, specially configured mixing console and some basic effects.

During the whole process of creation no sampler, no computer, no MIDI was used.

The final result was recored direct to tape. No further editing has been employed. Every track is unique, unrepeatable and uncorrectable.

» Dicogs Info

 

„Keep publishing this stuff. Music for bankemployees is unbelievable”

Marc Fontfreda, Spain

 


 

Kritik aus Testcard #9

Kaum Information im Beiheft, nur eine graphische Anleitung zur Herstellung von Loops mit Hilfe zweier »turntables with fixed needles« - das grafische Design der CD-Verpackung so spröde wie eine CD der Deutschen Bundespost. Stefan Beck kommt aus Frankfurt und bemüht sich, den dort arbeitenden Bankangestellten einen ganz eigenen »Electronic sound of Frankfurt« zu bescheren, mit dessen Hilfe sie sich in Sachen Distinktionsgewinn und Spezialwissen schmücken können.

Wenn Japan-Noise à la Merzbow, K.K. Null und Violent Onsen Geisha ein Spiegel des Alltags in Tokyo sein sollte, dann darf Musik für Bankangestellte mit Fug und Recht als die erste Veröffentlichung gelten, die den Alltag der Bankstadt Frankfurt/Main adäquat akustisch umsetzt.

Kommt die erste der fünf Nummern noch eher verhalten daher, hysterisch quietschend Vogelstimmen imitierend, was vom Gestus her an Spaß-Noise-Phänomene wie Runzelstirn und Gurgelstock erinnert, bietet der Rest der CD völlig nerven aufreibende Elektronik, eine radikale Scratch-Session voller rasanter, unangenehm quäkiger Sounds im Hochtonbereich.

Die rhythmisch pulsierenden Strukturen weigern sich, eine Zweckehe mit dem Beat einzugehen, sondern dienen nur als Textur, als ein den jeweiligen Track zusammenhaltenden Kitt. Sie sind das schabende und schmurgelnde Gewebe, aus dem ständig grob und gemein Noise-Fetzen herausspringen, die sich problemlos mit Merzbow-Terror messen können - und deshalb noch viel gemeiner sind, weil sie immer nur sporadisch erscheinen.

Damit allerdings kein falscher Eindruck entsteht: Musik für Bankangestellte ist keine bloß provozierende Anti-Musik, sondern durchaus strukturierte Turntable-Arbeit, so vital wie Digital Hardcore, aber weniger plump. Anders gesagt: Wäre Christian Marclay ein Punkrocker, könnte er wie Stefan Beck klingen.

Der provozierende Akt liegt, wenn überhaupt, im Kontrast zwischen Titel/Design und der darauf gebotenen Musik. Aber selbst ein solcher Neodada-Witz hat sich in der pluralistischen und neoliberalen Alles-ist-möglich-Ära erübrigt:

Stefan Beck ist dermaßen weit draußen independent, daß er nicht einmal auf die Idee kam, ein Besprechungsexemplar an testcard zu schicken. Nein, ein Freund erst mußte es mir empfehlen. Dieser Freund arbeitet in Frankfurt. Bei einer Event Agentur der Deutschen Bank. In deren Büroräumen diese CD gelaufen ist. So schaut es aus.

 

mb (Martin Büsser)

 

Last update:  08.02. 2005 - 22:33

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